• Atlaslogist Claudio Hösl

Ein Alarmsignal -Brustschmerzen



Was sind Brustschmerzen?

Brustschmerzen werden von jeden Mensch und von Ursache zu Ursache ganz unterschiedlich wahrgenommen. Es drückt, zieht, brennt oder sticht. Sie können oberflächlich und abgegrenzt sein oder auch den ganzen Brustkorb betreffen. Sie können erträglich sein oder vernichtend, kurz aufblitzen oder langfristig anhalten. Sie können sich bei Berührung, bei Belastung oder ohne äußere Einflüsse bemerkbar machen.

Brustschmerzen können durch die verschiedensten Krankheiten und Verletzungen hervorgerufen werden. Prinzipiell kommen alle Organe und Gewebe des Brustkorbs als Ursache in Frage. Hierzu zählen neben Herz und Lunge auch die Speiseröhre sowie Knochen und Muskeln. Viele Brustschmerzen haben meist harmlose Ursachen. Sie können aber auch Ausdruck eines lebensbedrohlichen Herzinfarkts sein.


Ursachen von Brustschmerzen

Je nach Schmerzcharakter, Schmerzort und begleitenden Beschwerden sind unterschiedliche Ursachen möglich:


Atemabhängige, oberflächliche Schmerzen mit dem Gefühl, nicht durchatmen zu können und punktuellem Stechen linksseitig, ohne Ausstrahlung

Brustschmerzen dieser Art sind charakteristisch für funktionelle Herzbeschwerden, die z.B. als Stressfolge auftreten. Sie halten mitunter lang an und können subjektiv sehr unangenehm sein, sind aber harmlos. Ähnliche Beschwerden machen Nervenreizungen, Zerrungen oder Verspannungen des Brustkorbs.


Schmerzen im tieferem des Brustkorbs (hinter dem Brustbein) mit Ausstrahlung in den linken Arm, den Hals, den Oberbauch oder in den Rücken zwischen die Schulterblätter

Dieses Schmerzmuster ist typisch für Krankheiten des Herzens und des Kreislaufs, die Ausstrahlungskomponente kann dabei fehlen. Diese Schmerzen sind belastungsabhängig.

Bei Angina pectoris und Herzinfarkt werden die Brustschmerzen als stark vernichtend empfunden. Häufig begleiten sie Atemnot, Schweißausbrüche, Engegefühl und Angst. Anders als bei einem Angina-pectoris-Anfall dauern die Beschwerden bei einem Herzinfarkt mehrere Minuten an und verschwinden nicht durch Ruhe oder Notfallmedikamente .


Herzrhythmusstörungen, Herzklappenprobleme

Herzrhythmusstörungen, Herzklappenprobleme, eine Herzmuskelentzündung oder eine Herzbeutelentzündung können auch Schmerzen hinter dem Brustbein auslösen, die ein Engegefühl und Atemnot hervorrufen.

Einige Menschen durchleiden wiederholt die typischen Symptome eines Herzinfarkts, obwohl ihr Herz vollkommen gesund ist. Dies kann ein Zeichen einer Herzneurose sein. Sie ist ausschließlich psychisch und gehört zu den Angsterkrankungen. Depressionen können sich mit ähnlich gearteten Brustschmerzen äußern.


Brennende Schmerzen hinter dem Brustbein verstärkt nach Nahrungsaufnahme

Dieses Schmerzmuster ist typisch für eine Speiseröhrenentzündung durch Rückfluss von Magensäure (Refluxösophagitis).


Dies waren nur ein paar Beispiele!





Wann werden Brustschmerzen gefährlich?

Sind die Beschwerden erst aufgetreten? Sind die Beschwerden in einer Ruhephase aufgetreten? Werden die Beschwerden immer stärker? Sind die Brustschmerzen sehr stark und halten länger als 5 Minuten an? Ist der Betroffene kaltschweißig, blass und ängstlich? Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit "ja" beantworten können, spricht das für einen Herzinfarkt. Verständigen Sie umgehend den Rettungsdienst (Notfallnummer 112).

Bei einem Infarkt kommt es auf jede Minute an. Es ist unwesentlich, wenn sich später herausstellt, dass die Beschwerden nicht vom Herzen kamen. Auch viele andere lebensbedrohliche Krankheitsbilder können Brustschmerzen verursachen.


Bei jüngeren Erwachsenen vermutet man hinter Schmerzen nicht gleich eine gefährliche Erkrankung. Es stimmt auch, dass Herzinfarkte häufiger bei älteren Menschen auftreten. Aber auch unter 40-Jährige können von einem Infarkt betroffen sein. Brustschmerzen sind deshalb auch bei jungen Männern und Frauen ein sehr ernst zu nehmendes Alarmsignal!


Wie zeigt sich ein Herzinfarkt?

Bei einem Herzinfarkt fließt nicht mehr genügend Blut durch den Herzmuskel. Oft, weil ein Blutgerinnsel ein Herzkranzgefäß verstopft. Dadurch kann eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung entstehen. Auch kann es den Untergang von Herzmuskelgewebes bedeuten.


Zeichen eines Herzinfarkts

Starke Brustschmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten, sind das offensichtliche Anzeichen für einen Herzinfarkt. Die Schmerzen können in den Unterkiefer, die Arme, in den Oberbauch oder in den oberen Rücken zwischen die Schulterblätter ausstrahlen.


Untypische Zeichen

Nicht jeder Herzinfarkt bringt diese typischen Anzeichen mit sich. Der charakteristische Brustschmerz kann sogar ganz fehlen (der sogenannte "stummer Infarkt"). Einige Betroffene merken den Schmerz nur im Arm oder im Kiefer. Andere beschreiben nur Atemnot, ein Stechen oder Brennen in der Brust.

Untypische Beschwerden werden oft mit einer weniger gefährlichen Ursache in Zusammenhang gebracht, wie beispielsweise einer Zerrung oder Sodbrennen. Das erhöht im Wesentlichen die Gefahr, den Herzinfarkt zu übersehen.


Macht sich bei Frauen ein Herzinfarkt anders bemerkbar?

Grundsätzlich können Frauen bei einem Herzinfarkt das gleiche spüren wie Männer. Sehr oft stehen bei ihnen jedoch untypische Beschwerden wie Übelkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen, Kurzatmigkeit oder Oberbauchschmerzen im Vordergrund. Die charakteristischen Symptome, also Engegefühl im Brustkorb und Schmerzen, fehlen mitunter gänzlich. Bei Frauen ist die Gefahr besonders groß, dass ihre Beschwerden bagatellisiert werden. Dies führt dazu, dass Infarkte bei Frauen oft übersehen werden.




Erste Hilfe-Maßnahmen bei dem Verdacht auf Herzinfarkt

Bei Verdacht auf Herzinfarkt bitte umgehend den Rettungsdienst (Telefonnummer 112) rufen.

Ist der/die Betroffene ansprechbar, lagern Sie ihn/sie bequem mit leicht erhöhtem Oberkörper. Öffnen Sie sofort einengende Kleidungsstücke und beruhigen Sie ihn/sie, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Ist der/die Betroffene bewusstlos und atmet, bringen Sie ihn/sie in die stabile Seitenlage.

Ist der Betroffene bewusstlos und atmet nicht, beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung.


Die wichtigste lebensrettende Maßnahme ist die Reanimation:

  • Legen Sie den Bewusstlosen auf eine harte Unterlage.

  • Knien Sie sich neben den Bewusstlosen und platzieren Sie Ihren Handballen in der Mitte seines Brustbeins. Legen Sie den Ballen Ihrer zweiten Hand auf die erste Hand.

  • Beginnen Sie mit gestreckten Armen kräftig zu drücken. Drücken Sie den Brustkorb etwa fünf Zentimeter tief ein, rhythmisch etwa 100 Mal pro Minute.

  • Setzen Sie die Herzmassage so lange fort, bis der Notarzt eintrifft, oder bis der Bewusstlose wieder selbständig atmet.

  • Ausgebildete Helfer können die Herzdruckmassage mit einer Atemspende per Mund zu Mund oder Mund zu Nase Beatmung kombinieren. Dabei folgen auf 30 Kompressionen zwei Beatmungen. Wer unsicher ist, sollte sich auf die Herzdruckmassage konzentrieren. Laien können hier kaum etwas falsch machen. Wichtig ist, fest zu drücken und die Herzmassage nicht zu unterbrechen.